Was ist Teamkultur? Wie gestalte ich als Führungskraft etwas so Unkonkretes so konkret, dass Mitarbeiter und „Kunden“ sich wohlfühlen und ein Klima entsteht, in dem Leistungen, Miteinander und Zukunft wachsen und gedeihen können? Und wie gestalte ich eine Teamkultur als Führungskraft, wenn ich vielleicht Teil einer Unternehmenskultur bin, auf die ich weniger Einfluss habe?
Meine Antwort ist: Teamkultur zu schaffen benötigt Engagement, Ausdauer und eine gewisse Form der Unermüdlichkeit! Damit Sie Ihre Zeit und Energie effektiv und effizient einsetzen können, können Sie sich aber an Erfahrungswerten orientieren und daraus „Ihr Ding“ machen. Und diese Erfahrungswerte möchte ich Ihnen in diesem Blogartikel in kompakter Form darstellen.

Teamkultur ist wie die mentale Gesundheit eines Teams zu verstehen

Teamkultur ist wie die mentale Gesundheit eines Teams zu verstehen, unabhängig von Leistungskennzahlen, Vergütung oder Erfüllung von Gesetzen und Auflagen. Während diese Leistungskennzahlen so etwas wie das sichtbare „Blutbild“ darstellen, verbirgt sich die mentale Gesundheit hinter dem Sichtbaren, so wie auch die Psyche bzw. mentale Gesundheit eines Patienten im Blutbild nicht eingefangen wird. Sicherlich können Sie mit Kennzahlen wie Mitarbeiterfluktuation, Befragungen etc. arbeiten, um Zahlen, Daten und Fakten zu sammeln, die Teamkultur steckt aber in vielen kleinen, schwer messbaren Dingen, die zusammen ein großes Ganzes bilden.

Da Sie also Teamkultur wie mentale Gesundheit begreifen können, können Sie mein Modell des mentalen Aktionsradius auch zur Veranschaulichung von Teamkultur nutzen! Das Modell kann nämlich nicht nur die mentale Power von Einzelnen abbilden, sondern kann gleichermaßen den Zustand einer Organisationskultur skizzieren. Das habe ich anhand der folgenden Grafik dargestellt. Für jede Dimension sind Fragestellungen aufgeführt, die die Kultur eines Teams ausmachen.

Basis: Entscheiden Sie sich für Ihren individuellen Führungsstil

 Zentraler Dreh- und Angelpunkt bei der Gestaltung dieser Teamkultur sind die Führungskräfte. Die gute Nachricht (unserer Zeit) ist, dass Sie als Führungsperson nicht zwangsläufig alleine auf alle Dimensionen gute Antworten und Vorgehensweisen parat haben müssen. Sie können diese Antworten und Vorgehensweisen auch im Team entwickeln und im Team in den Alltag bringen. Auch in Organisationen, die aus sehr hierarchischen Strukturen (z.B. Krankenhäuser) gewachsen sind oder inhabergeführt sind (wie Praxen), kann Führung im Team erfolgreich stattfinden, sofern Sie Ihre „Hausaufgaben“ gemacht haben!

Sie haben die Wahl: Sie können selbstverständlich der Taktgeber sein und ganz viel über Ihre Persönlichkeit gestalten, Sie können aber auch gleichermaßen einen Führungsstil praktizieren, in dem Sie bewusst einen Schritt zurücktreten und Ihren Mitarbeitern Räume zur Verfügung stellen, in denen Ihre Mitarbeiter gemeinsam mit Ihnen Kultur gestalten. Das setzt logischerweise einen stärkeren Abstimmungsprozess sowie Regelungen zur Zusammenarbeit voraus (das sind die „Hausaufgaben“), ist aber ein sehr funktionsfähiges System und beinhaltet viele Elemente aus der „New Work“-Arbeitsweise.

Was würde ich Ihnen raten, wenn ich Sie dazu beraten bzw. coachen würde? Meine Empfehlung folgt meinem Eindruck von Ihren Stärken, Wünschen und Gegebenheiten (z.B. Teilzeit) als Führungspersönlichkeit und ist total individuell. Es gibt nämlich nicht gut oder schlecht, old school = ausgedient oder new work = richtig, sondern wichtig ist, dass Ihr Führungsstil auf Sie in Ihrer Gesamtsituation gut passt!!

Der eigene Wunsch, die eigenen Möglichkeiten und das eigene Verständnis für Führung entwickeln sich im Übrigen auch weiter. Ich würde heute als Führungskraft nochmal ganz anders agieren als ich es in meiner eigenen Zeit als Führungskraft getan habe. Es ist daher sehr wichtig, dass Sie sich selbst ebenfalls einen Raum geben, in dem Sie sich weiterentwickeln können!!  

6 aufeinander aufbauende Schritte für die Gestaltung Ihrer Teamkultur

Wenn Sie also wissen, wer Sie heute als Führungskraft sind und sein wollen, dann schlage ich Ihnen vor, die folgenden Schritte durchzugehen, um aktiv Ihre Teamkultur zu gestalten:

  •  (1) Werte, Verhalten und Prioritäten vorleben. Leben Sie im positiven Sinne die Werte, Verhalten und Prioritäten vor, die Sie sich für Ihr Team wünschen. Erwarten Sie darauffolgend keine sichere Nachahmung (der Effekt wird meines Erachtens überschätzt), sondern tun Sie das mit dem Ziel der eigenen Glaubwürdigkeit und des Vorbeugens von Widerständen. Was Sie nicht vorleben, kann in einem Team schwer gedeihen.
  • (2) Gemeinsamen Rahmen vereinbaren. Schaffen Sie ein gemeinsamen, stabilen Rahmen im Team mit einem Selbstbild (Vision, Mission) sowie sehr konkreten Prozessen, Regeln und Prinzipien für Arbeitsweise und Kommunikation. Sorgen Sie dafür, dass dieser Rahmen bestenfalls gemeinsam entwickelt wird, mindestens aber gemeinsam getragen wird (auf „denglisch“: dass alle Teammitglieder committed sind). Wenn Sie ein stark flukturierendes Umfeld haben (z.B. mit permanent wechselnden Assistenzärzten), dann ist es umso wichtiger, dass Sie mit den Leitenden Ärzten eng zusammenstehen.
  • (3) Über Vergangenheit, Gegenwart und vor allem Zukunft kommuzieren. Der Kardinalsfehler von vielen Führungskräften ist, sich zwar selbst mit der Zukunft zu beschäftigen, aber die Mitarbeiter in die eigenen Gedanken nicht einzubeziehen. Möglicherweise haben Sie als Führungskraft schon Hervorragendes angebahnt, das Teamgefühl ist aber ein einziges Fragezeichen. Genauso verhält es sich mit einer Einschätzung zur aktuellen Situation. Um ein Beispiel zu bringen: Vielleicht haben Sie gemeinsam mit Ihrem COVID-19-Stab alle Eventualitäten vorgedacht und wissen genau, wo Sie gerade stehen und was zu tun ist. Wenn Sie Ihr Team dort aber auf einer aggregierten Ebene nicht „reingucken“ lassen, lassen Sie Ihr Team in Unwissenheit und damit in Unsicherheit. Gehen Sie nicht davon aus, dass diese Unsicherheiten zwangsläufig an Sie herangetragen werden, vielmehr werden Sie eine allgemeine Unzufriedenheit verursachen und auf Ihrem Führungskonto negativ verbucht werden. Daher gilt: Kommunizieren Sie klar als Führungskraft über das was war, das was ist und insbesondere über das was kommt (z.B. Herausforderungen, Schwierigkeiten, Wandel).
  • (4) Transparent und lösungsorientiert auf Probleme und Fehler reagieren. Schaffen Sie einen transparenten und lösungsorientierten Umgang mit Problemen und Fehlern ohne Schuld-Diskussionen. Reagieren Sie schnell, aber nicht aus dem Affekt heraus und am besten in einer gewissen Form nachvollziehbar. Hier gibt es viele Parallelen zum Elternsein: So wie Kinder es haben, so hat auch ein Team ein untrügliches Gespür für ungleiche Reaktionsmuster, Überreaktionen und Vermischung von Situation mit eigener Historie.
  • (5) In Mitarbeiter und das Umfeld von Mitarbeitern investieren. Investieren Sie in IHRE MITARBEITER. INVESTIEREN SIE IN IHRE MITARBEITER. Punkt. Nur ein starkes Team bringt dauerhaft Leistung.
  • (6) Gemeinsames Bild nach Außen repräsentieren. Entwickeln Sie als Team ein gemeinsames Bild, wie Sie nach Außen hin auftreten möchten (Image, Kommunikation mit Kunden etc.).

Wie passen nun beide Bilder zusammen: mentale Gesundheit und das Schrittemodell?

Diese 6 Schritte plus die Basis bespielen gemeinsam und in Summe die 5 Dimensionen der Teamkultur bzgl. Zukunft, Ressourcen, Beziehungen, Akteursein und Identifikation. Dabei entspricht nicht ein Schritt einer Dimension, sondern die Schritte setzen alle in mehreren Dimensionen an.

Die Schritte sind wie Treppenstufen angeordnet, da sie wie ein Excellence-Treppchen zu verstehen sind. Solange Sie (1) nicht gemacht haben, ist die Investition in (2) wenig nutzbringend usw. Das ist so wie früher in der Schule: solange man im Unterricht die ganze Zeit quatscht, wird auch das  freiweillige Super-Sonder-Referat nur eine kleine Änderung der Gesamtnote bewirken können.

Nun lade ich Sie dazu ein, auf Basis meines Artikels aktiv zu werden und Ihre Teamkultur zu gestalten. Vielleicht können Sie anhand der Systematiken erkennen, wo es es sich für Sie besonders lohnt, gerade anzusetzen. Mit dem Werkzeug aus diesem Blogartikel können Sie loslegen und Ihre Welt ein kleines Stückchen besser machen! Viel Erfolg dabei!! 

P.S.: Selbst in Systemen mit vielen Abhängigkeiten haben Sie viel selbst in der Hand. Ich weiß, wovon ich spreche :-), ich selbst habe mich als Führungskraft von den vielen Rahmenbedingungen und Abhängigkeiten auch manchmal zu stark begrenzen lassen und hätte jemanden benötigt, der mich unterstützt hätte, meinen Handlungsrahmen auszuweiten und auszuschöpfen!! Das kann ich heute für Sie übernehmen – melden Sie sich gerne bei mir.